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Testbericht

Wolfgang Gomoll, 8. Juli 2019

Ford sagt mit dem Focus ST den Rennsemmeln in der Kompaktklasse den Kampf an. Dabei punktet der VW Golf GTI-Gegner mit einer beeindruckenden Agilität, zeigt aber auch Schwächen.

Downsizing? Pft! Alter Käse. Rightsizing ist beim Ford Focus angesagt. Statt einem Zweiliter-Motor, haben die Ingenieure einfach den 2.3 Liter Turbobenziner aus dem Mustang gepackt und in den Motorraum des Kompaktsportlers gepackt. Damit der Respektabstand zur Sportwagenlegende gewahrt bleibt, befeuert das Triebwerk den Ford Focus ST mit 206 kW / 280 PS und hat ein maximales Drehmoment von 420 Newtonmetern, das bei 3.000 U/min seine volle Kraft entfaltet. Dazu kommt die sogenannte "Anti-Lag"-Funktion, die das Absinken des Ladedrucks beim Hochschalten minimiert, indem die Drosselklappen während des Gangwechsels auch dann noch kurz geöffnet bleiben, wenn der Fahrer vom Gas geht. So ist nach 5,7 Sekunden die 100 km/h Marke erreicht und der Ford Focus ST schafft maximal eine Geschwindigkeit von 250 km/h. Den Durchschnittsverbrauch gibt Ford mit 7,9 Litern pro 100 Kilometer an.

So ist es möglich, den Focus ST schaltfaul zu bewegen. Doch wem diese Eigenschaft wichtig ist, sitzt im falschen Fahrzeug. Der Focus ST will gefordert werden und wer dem Kölner Kampfsportler diesen Wunsch erfüllt, wird mit herzerfrischenden Fahrspaß belohnt. Die entscheidenden Komponenten dieses Dynamikspektakels sind die Multilink-Hinterachse, das Sportfahrwerk und das elektronisch geregelte Sperrdifferenzial an der Vorderachse. Dazu kommt die elektronische Dämpferregelung CCD (Continously Controlled Damping), die sich alle zwei Millisekunden dem Fahrzustand anpasst. Die Bremsen mit größeren Scheiben (vorne 330 Millimeter und hinten 302 Millimeter Durchmesser) packen kräftig zu und sind nach einer kurzen Eingewöhnungszeit gut zu dosieren.

Also pfeift der Focus ST mit einer Traktion um die Ecken, dass jedem, der nur ein Tröpfchen Benzin im Blut hat, das Herz aufgeht. Passstraßen mit engen Kurven, geschwungene Landstraßen oder Autobahnen mit hoher Geschwindigkeit - den Kampfsportler mit Vorderradantrieb bringt nichts aus der Ruhe, carvt wie ein Top-Skiläufer mit scharfen Kanten an seinen Brettern um jede Ecke und vermittelt dabei dem Piloten den vertrauenserweckenden Eindruck, als wenn das die einfachste Fahrübung der Welt wäre. Sobald man sich dem Grenzbereich nähert, hilft das Heck dank Torque-Vectoring durch Bremseingriffe hinten mit und erhöht so den Spaßfaktor. Dass das Sportfahrwerk recht straff ausgelegt ist, dürfte den Spaßfahrer nicht stören, ist aber im Alltagsgebrauch durchaus ein Faktor.

Bei dieser Querbeschleunigungsorgie sind die Antriebskräfte im Lenkrad fast völlig eliminiert. Allerdings ist die Steuerung mit starken Rückstellkräften ausgestattet, sodass das Volant förmlich in seine Ausgangslage zurückschnellt, sobald man nicht mehr an ihm dreht. Dafür ist die Lenkung sehr präzise, ohne übernervös zu agieren, führt den Focus in die gewünschte Richtung, fühlt sich dabei aber synthetisch an. Auch beim Antrieb spielt Ford die gesamte Klaviatur der aktuellen Straßensportler. Der Vierzylinder röhrt zunächst munter los, ehe das künstlich verstärkte Klangbild bei höheren Drehzahlen dröhnend wird. Das Runterschalten, das bei der Sechsgang-Handschaltung dank der verkürzten Schaltwege schnell von der Hand geht, wird in den Fahrprogrammen "Sport" und "Race Track / Rennstrecke" (letzteres ist Teil des Performance Pakets) mit zackigen Zwischengas-Salven honoriert.

In den Recaro-Sportsitzen sitzt man gemütlich und hat genug Seitenhalt. Das Cockpit unterscheidet sich nicht grundlegend von dem der anderen Focus-Modellen. Allerdings sind jetzt die Anzeigen für Öl- und Ladedruck sowie Öltemperatur digital und über den 4,2 Zoll großen Monitor im Instrumententräger abrufbar. Auch das Head-up-Display mit einer aufklappbaren Plastikscheibe erfüllt seinen Zweck, genauso wie das das Infotainmentsystem, bei dem das Smartphone via Apple CarPlay und Android Auto eingebunden werden kann.

Der Ford Focus ST macht aus seinen sportlichen Ambitionen mit dem großen Dachspoiler (der zudem auch noch für dringend benötigten Abtrieb auf der Hinterachse sorgt), dem Diffusor und der doppelflutigen Auspuffanlage keinen Hehl, aber die Spaßmaschine lässt der Optik auch Taten folgen und steht für 32.900 Euro beim Händler.

Technische Daten
Antrieb:Vorderradantrieb
Getriebe:Sechsgang Handschaltung
Motor Bauart:Vierzylinder-Benziner
Hubraum:2.261
Drehmoment:420 Nm bei 3.000 bis 4.000 UPM
Preis
Neupreis: 32.900 € (Stand: 2019-07-08)
Testwertung
4.0 von 5

Quelle: Autoplenum, 2019-07-08

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